Anna-Seghers-Schriftzug, Projekte Bild, Der Schreibtisch Anna Seghers in ihrer Berliner Wohnung in Adlershof
Schriftgrösse
Schrift verkleinern Schriftgröße zurücksetzen Schrift vergrößern
  Aktuelles
  Projekte
  Biographie
  Gesellschaft
  Stiftung
  Gedenkstätte
  Bücher
  Auswahlbibliographie
  Argonautenschiff
  Archiv
  Links
  Kontakt & Impressum
Projektübersicht

"Vertriebene sind wir, Verbannte. Und kein Heim, ein Exil soll das Land sein, das uns aufnahm." (Bertolt Brecht) – zur Geschichte des Exils und der Exilliteratur
Lange Zeit taten sich (west)deutsche Literaturwissenschaft und Literaturkritik schwer mit den "verbrannten Dichtern" (Jürgen Serke), den aus politischen oder rassischen Gründen verfolgten und vertriebenen Schriftstellern der NS-Zeit. Die reichhaltige und vielfältige Literatur des Exils geriet – nach einer Phase des Verdrängens und Verschweigens – erst Ende der 1960er Jahre wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. In den 70er und 80er Jahren erschienen Textsammlungen (u. a. hrsg. von Ernst Loewy, Heinz Ludwig Arnold u. Michael Winkler), Editionen und umfangreiche Gesamtdarstellungen zur Exilliteratur (Hans-Albert Walter), eine Gesellschaft für Exilforschung wurde gegründet und gab ihr gleichnamiges Jahrbuch heraus, und allmählich drang das Bewusstsein der Bedeutung dieser "literarischen Epoche" auch in den Kreis der Schulbuchautoren und Herausgeber vor, so dass repräsentative Texte von und Abhandlungen zu Leben und Werk von Exilschriftstellern heute auch in Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien zu finden sind.

Vom Exil. […] Schrecklich, wenn es ein erzwungenes ist. Wenn du all das verlässt, was zu dir gehört, verlässt du dich fast selbst. Aber die Dinge können auch solche eine Wendung nehmen, dass du von hier gern verschwinden würdest, aus dem Käfig, wo dich Gefahren umringen und du dich angesichts der Bedrängnis wie ein Krüppel fühlst. Schrecklich, wenn es dann verboten ist. Aus irgendeinem unwägbaren Grund aber bleibst du. Und vielleicht überlebst du sogar. Dann hast du Recht gehabt. Doch es kann auch sein, dass du nicht überlebst. Und aus unwägbarem Grund hast du vielleicht trotzdem Recht gehabt.

Vielen Emigranten blieb zum Abwägen nicht viel Zeit. Ihr Bleiben, das ahnten sie, würde ihren Tod bedeuten. Das war die Aussicht der Juden in Hitlers Europa. Sentimentales Festhalten an der Heimat erwies sich im Allgemeinen als Selbstmord. […]

Ein Schriftsteller wird an jedem Ort der Welt schreiben. Sprache funktioniert ähnlich wie Sexualität. Meisterwerke sind auch in sibirischen Holzhütten, Lagerbaracken, auf Gefängnisbritschen oder während der Bombardierung unter einem Güterwagen entstanden. Der großen Begabung kann keine Falle etwas anhaben, das mittelmäßige Talent dagegen verfängt sich darin. […]."
György Konrad [zitiert nach: DIE ZEIT, Nr. 1, 22. Dezember 2003]


Das Fortsetzungsseminar, das sich an die Teilnehmer/innen der Einführungsveranstaltung im 2. Halbjahr 2003 aber ebenso an neue Interessenten richtet, wird sich mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen, dem Schreiben und Verlegen von Büchern, den Möglichkeiten und Grenzen antifaschistischen Widerstandes im Exil, der Emigration aus den europäischen Nachbarstaaten nach Übersee auseinandersetzen. Die literarische Verarbeitung all dieser Erfahrungen soll dann in Workshops am Beispiel der Romane Transit von Anna Seghers, Exil von Lion Feuchtwanger und Fair Play von Ludwig Frank und exemplarisch an Literaturverfilmungen untersucht und mögliche Wege zur Behandlung im Unterricht aufgezeigt werden.