
Veranstaltungstipp: Lesefestival antifaschistische Literatur im Literaturforum im Brecht-Haus
2. Juli 2026Rückblick: 34. Jahrestagung der Anna-Seghers-Gesellschaft – Aspekte der Rezeption von Anna Seghers in der BRD




34. Jahrestagung: Aspekte der Rezeption von Anna Seghers in der BRD
Wissenschaftlicher Austausch, literarische Entdeckungen und die Verleihung des Anna-Seghers-Preises prägten die Jahrestagung der Anna-Seghers-Gesellschaft in Berlin.
Vom 5. bis 7. Juni 2026 fand die Jahrestagung der Anna-Seghers-Gesellschaft in Berlin statt. Unter dem Thema „Aspekte der Rezeption von Anna Seghers in der BRD“ widmete sich die wissenschaftliche Tagung der Frage, wie das Werk Anna Seghers' in der Bundesrepublik gelesen, vermittelt und erforscht wurde. Ergänzt wurde das Programm durch Archivbesuche, Lesungen und die Verleihung des Anna-Seghers-Preises.
Den Auftakt bildete am Freitag ein Besuch des Anna-Seghers-Archivs in der Akademie der Künste. Helga Neumann präsentierte ausgewählte Briefe der Schriftstellerin und gewährte damit eindrucksvolle Einblicke in Leben und Werk von Anna Seghers. Im Anschluss kamen die Mitglieder der Gesellschaft im Literaturforum im Brecht-Haus zur Mitgliederversammlung zusammen.
Ein besonderer Höhepunkt war der Beitrag von Jean Radvanyi, dem Enkel Anna Seghers', der neue Funde aus dem Nachlass seines Vaters vorstellte. Darunter befinden sich auch bislang unveröffentlichte Gedichte von Anna Seghers – ein bemerkenswerter Fund und ein Hinweis darauf, dass ihr literarisches Erbe noch immer neue Entdeckungen bereithält. Den Abend beschloss die Schriftstellerin und Regisseurin Laura Laabs mit einer Lesung aus ihrem Roman Adlergestell.
Der Samstag stand ganz im Zeichen der wissenschaftlichen Tagung. Die Vorträge spannten einen Bogen von den Anfängen der westdeutschen Exilforschung über die verlegerische Rezeption Anna Seghers' bis hin zu kunsthistorischen und universitätsgeschichtlichen Fragestellungen.
Einen besonderen Akzent setzte der Beitrag der Schülerinnen und Schüler der Anna-Seghers-Schule, die sich auf kreative Weise mit dem Werk der Autorin auseinandersetzten. Den Abschluss bildete eine vom Vorstand zusammengestellte Textcollage zur Rezeption Anna Seghers' in der Bundesrepublik zwischen 1945 und 1990.
Den festlichen Höhepunkt der Jahrestagung bildete die Verleihung des Anna-Seghers-Preises in der Akademie der Künste. Der von der Anna-Seghers-Stiftung vergebene Preis zeichnet jährlich je eine Autorin oder einen Autor aus dem deutschen Sprachraum und aus Lateinamerika aus, deren literarisches Schaffen im Sinne Anna Seghers' für eine offene, gerechtere und menschlichere Gesellschaft steht. 2026 wurden die chilenische Schriftstellerin Daniela Catrileo und die Berliner Autorin Sonja M. Schultz mit dem jeweils mit 12.500 Euro dotierten Preis ausgezeichnet.
Den Abschluss der Tagung bildete am Sonntag der Besuch der szenischen Lesung „Nein, von viel weiter her. Aus Europa“ im Werkraum des Berliner Ensembles. Kathleen Morgeneyer und Paul Zichner lasen Auszüge aus Transit, Der Ausflug der toten Mädchen sowie ausgewählte Briefe von Anna Seghers. Die Inszenierung verband literarische Texte und biografische Zeugnisse zu einem eindrucksvollen Ausklang der Jahrestagung und unterstrich einmal mehr die ungebrochene Aktualität von Anna Seghers' Werk.



