
34. Jahrestagung der Anna-Seghers-Gesellschaft – Aspekte der Rezeption von Anna Seghers in der BRD
20. Mai 2026Veranstaltungstipp: Lesefestival antifaschistische Literatur im Literaturforum im Brecht-Haus

© Anna Giulia Zeller / LfB
Lesefestival antifaschistische Literatur
Vom 06. bis 10. Juli 2026 findet das Lesefestival antifaschistische Literatur im Literaturforum im Brecht-Haus in Berlin statt.
Angesichts der Ausbreitung antidemokratischer, autoritärer und rassistischer Ressentiments und politischer Praktiken in vielen Teilen der Welt erhält die Auseinandersetzung mit antifaschistischer Literatur wieder neue Relevanz. Dabei ist zu fragen, welche Möglichkeiten die Erinnerung an die Tradition antifaschistischer Literatur eröffnet, um auf gegenwärtige Tendenzen der Faschisierung zu reagieren.
Historisch betrachtet gründet das Selbstverständnis literarischer Autor:innen und Kritiker:innen als »antifaschistisch« in ihrem Widerstand gegen den Faschismus der 1930er Jahre in Europa, insbesondere in Italien, Spanien und Deutschland. Zwar haben nicht alle Autor:innen, die sich gegen den historischen Faschismus oder Nationalsozialismus positionierten, ihr Schreiben als explizit »antifaschistisch« bezeichnet. Dennoch bietet sich der Begriff an, ein breites Spektrum politischer Positionen sowie literarischer Verfahren zu verhandeln.
Wichtige Parameter mit Blick auf einzelne Werke sind beispielsweise die kritisch-dokumentarische, analytische oder auch metaphorisch-parabelhafte Verhandlung faschistischer Ideologie, Herrschaft und Verbrechen sowie, darüber hinaus, die literarische Darstellung von Gegenentwürfen zum Faschismus und Formen antifaschistischen Widerstands.
Eine besondere Herausforderung der gegenwärtigen Beschäftigung mit antifaschistischer Literatur ist, dass die Bezeichnung aufgrund ideologischer Verengung oder des staatspolitischen Missbrauchs des Antifaschismus, beispielsweise zur Legitimation von DDR-Unrecht, problematisch geworden ist. Solche Formen der Instrumentalisierung belasten noch immer die Wahrnehmung antifaschistischer Literatur und bedürfen fortwährender Kritik und Reflexion.
Aus heutiger Sicht sind vor allem die zeitanalytischen Qualitäten, aber auch die Defizite der literarischen Werke von Interesse: Inwiefern können literarische Texte helfen, die (politische) Realität »lesbar« zu machen? Welche Aspekte greifen aus heutiger Sicht zu kurz? Wie sieht ein zeitgemäßer Zugang zu den Texten aus? Was kann überhaupt die Leistung antifaschistischer Literatur sein? Und welche Perspektiven und Herausforderungen stellen sich schließlich einem zeitgemäßen Konzept antifaschistischen Schreibens?
Ziel des Lesefestivals ist es, sich diesen Fragen anzunähern, indem ein Blick zurück auf die Geschichte antifaschistischer Literatur im 20. Jahrhundert geworfen wird. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der zeitgenössischen literarisch-kritischen Auseinandersetzung mit dem NS-Faschismus in der deutschsprachigen Literatur. Die Lektüre, Relektüre und unterschiedliche Textzugänge stehen im Mittelpunkt des Festivals. Das Lesen wird dadurch als soziale Praxis konturiert – und als eigener ästhetisch-kognitiver Zugang zu Vergangenheit und Gegenwart.
Das vielfältige Veranstaltungsprogramm des Festival findet sich hier.



